Eine Krebserkrankung bringt für Betroffene und ihre Angehörigen viele Fragen und Unsicherheiten mit sich. Onkologische Fachpflegekräfte, sogenannte Cancer Nurses, sind deshalb ein fester Bestandteil des Onkologischen Zentrums Südwestfalen am St. Marien-Krankenhaus Siegen. Sie verbinden pflegerische Expertise mit spezialisiertem Wissen über Krebserkrankungen und deren Behandlung und stehen Patientinnen und Patienten als verlässliche Ansprechpartnerinnen zur Seite.
Das Onkologische Zentrum Südwestfalen vereint verschiedene medizinische und pflegerische Fachbereiche. Dazu gehören das Darmkrebszentrum, das Pankreaskrebszentrum, das Brustzentrum, das Gynäkologische Krebszentrum sowie das Zentrum für Hämatologische Neoplasien. Die Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) steht für eine Behandlung nach festgelegten Qualitätsanforderungen und eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Fachdisziplinen.
„Cancer Nurses bringen eine besondere Perspektive in die Behandlung ein“, betont Prof. Dr. Andreas Neubauer, Leiter des Onkologischen Zentrums. „Durch ihre kontinuierliche Nähe zu den Patientinnen und Patienten erkennen sie häufig früh, wo Unterstützung notwendig ist, und können wichtige Beobachtungen unmittelbar in das Behandlungsteam einbringen.“
Verlässliche Bezugsperson während der Behandlung
Krebsbehandlungen erstrecken sich häufig über einen längeren Zeitraum und führen Patientinnen und Patienten durch unterschiedliche Untersuchungen, Therapien und Fachbereiche. Die Cancer Nurses begleiten sie dabei über den gesamten Krankheits- und Therapieverlauf hinweg.
Sie informieren und beraten zu Untersuchungen und Behandlungen, unterstützen beim Umgang mit Nebenwirkungen und Beschwerden und geben praktische Hilfestellungen für den Alltag.
Die Cancer Nurses sind fester Bestandteil der Versorgung im Onkologischen Zentrum. Auch Patientinnen und Patienten mit anderen Krebserkrankungen außerhalb der Zentren können bei Bedarf im Krankenhaus über ein Konsil durch die Cancer Nurses mitbetreut und beraten werden.
Speziell für die onkologische Pflege qualifiziert
Cancer Nurses verfügen über eine umfassende pflegerische und onkologische Qualifikation. Grundlage ist zunächst eine dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft. Darauf aufbauend absolvieren sie eine weitere, in der Regel zweijährige berufsbegleitende Fachweiterbildung in der onkologischen Pflege. Diese verbindet theoretischen Unterricht mit praktischen Einsätzen und vermittelt vertiefte Kenntnisse speziell für die Versorgung von Menschen mit Krebserkrankungen.
Zu den Schwerpunkten gehören unter anderem medikamentöse Tumortherapien und deren Nebenwirkungen, das Schmerz- und Symptommanagement, Ernährungsfragen sowie die professionelle Beratung und Begleitung von Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen.
Diese besondere Qualifikation ist ein wichtiger Bestandteil der DKG-zertifizierten Krebszentren. Die Deutsche Krebsgesellschaft stellt konkrete Anforderungen an die Qualifikation und den Einsatz onkologischer Fachpflegekräfte und trägt damit zu einer fachlich qualifizierten und kontinuierlichen pflegerischen Begleitung von Menschen mit Krebserkrankungen bei.
Was Cancer Nurses konkret leisten
Nebenwirkungen frühzeitig erkennen
Übelkeit, Haarausfall, Entzündungen der Mundschleimhaut, Erschöpfung oder Nervenschäden an Händen und Füßen lassen sich oft besser behandeln oder abmildern, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Patientinnen und Patienten werden bereits in den Beratungsgesprächen dafür sensibilisiert, beginnende Symptome aufmerksam zu beobachten. Durch gezielte Prophylaxen und entsprechender Anleitung werden Patientinnen und Patienten dabei unterstützt, Nebenwirkungen der Therapie zu vermeiden oder zu reduzieren.
Die Fachpflegekräfte kennen die typischen Nebenwirkungen der unterschiedlichen Therapien und wissen, in welchem zeitlichen Zusammenhang nach einer Behandlung mit bestimmten Beschwerden zu rechnen ist. Veränderungen können dadurch frühzeitig angesprochen und an das behandelnde Team weitergegeben werden.
Symptome und Beschwerden lindern
Auch Schmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder starke Erschöpfung können den Alltag während einer Krebserkrankung erheblich beeinträchtigen. Cancer Nurses erfassen und dokumentieren solche Beschwerden und unterstützen gemeinsam mit dem ärztlichen und pflegerischen Team dabei, geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Informieren und beraten
Wie verhalte ich mich während einer Chemotherapie? Worauf sollte ich bei erhöhter Infektionsgefahr achten? Was kann ich selbst gegen bestimmte Nebenwirkungen tun? Wie erkenne ich, wann eine Wunde nicht mehr normal heilt?
Cancer Nurses nehmen sich Zeit für diese Fragen und geben praktische Hinweise für den Alltag im individuellen Einzelgespräch. Auch Angehörige können in die Beratung und Anleitung einbezogen werden.
Informationen verständlich machen
Nach einem ärztlichen Aufklärungsgespräch bleiben manchmal Fragen offen – besonders dann, wenn in kurzer Zeit viele neue Informationen verarbeitet werden müssen. Cancer Nurses können Inhalte anschließend noch einmal aufgreifen, verständlich erklären und bei offenen Fragen weiterhelfen.
Auch psychosoziale Belastungen im Blick behalten
Ängste, Zukunftssorgen oder familiäre Belastungen gehören für viele Menschen zu einer Krebserkrankung dazu. Cancer Nurses haben deshalb nicht nur körperliche Beschwerden im Blick. Sie nehmen wahr, wenn weitere Unterstützung sinnvoll ist, und vermitteln Kontakte beispielsweise zur Psychoonkologie, zum Sozialdienst, zur Seelsorge oder zu anderen Unterstützungsangeboten.
Drei Frauen, eine gemeinsame Aufgabe
Katharina Weber-Yamoah, Nataly Franz und Celine Hibert sind die Cancer Nurses des Onkologischen Zentrums Südwestfalen. Sie begleiten Patientinnen und Patienten mit fachlicher Kompetenz und persönlicher Zuwendung durch die verschiedenen Phasen ihrer Erkrankung.
Im Gespräch erzählen sie, was sie an ihrer Arbeit schätzen, welche Fragen Patientinnen und Patienten besonders häufig beschäftigen und wie sie mit belastenden Situationen umgehen.
Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit als Cancer Nurse?
„Besonders schätzen wir, dass wir uns Zeit für die unterschiedlichen Anliegen und Fragen unserer Patientinnen und Patienten nehmen können. Wir empfinden unsere Arbeit als sehr wertvoll, weil wir für unsere Patientinnen und Patienten da sein können: Wir hören zu, beantworten Fragen und versuchen, in einer schwierigen Lebenssituation Orientierung und Sicherheit zu geben.“
Welche Fragen beschäftigen Patientinnen und Patienten besonders häufig?
„Viele Fragen betreffen den weiteren Ablauf: Was passiert als Nächstes? Wie geht es weiter? Was kommt bei der Behandlung auf mich zu? Gerade hier entstehen viele Unsicherheiten.
Häufig geht es auch um mögliche Nebenwirkungen und darum, worauf im Alltag geachtet werden sollte. Offene Fragen aus den ärztlichen Aufklärungsgesprächen können wir anschließend noch einmal in Ruhe aufgreifen und verständlich erklären“
Wie gehen Sie mit belastenden Situationen um?
„Natürlich gibt es Krankheitsverläufe und Situationen, die uns persönlich beschäftigen. Dann hilft uns der Austausch im Team und das füreinander da sein, wenn Gesprächsbedarf besteht. Es gibt gute und schlechte Krankheitsverläufe, und die Arbeit macht einem immer wieder bewusst, dass Gesundheit nichts Selbstverständliches ist. Jeder Mensch geht anders mit seiner Erkrankung um, deshalb ist es uns wichtig, individuell zu begleiten und gemeinsam Schritt für Schritt durch die Behandlung zu gehen.“
Tipp für Patientinnen und Patienten
Fragen Sie im Erstgespräch gezielt nach einer festen pflegerischen Ansprechperson und lassen Sie sich Name und Telefonnummer geben. Notieren Sie Beschwerden und Fragen zwischen den Terminen stichwortartig – im Gespräch selbst geht sonst schnell etwas verloren, was im Alltag zu Hause aufgefallen ist.

