Die Chirurgische Klinik des St. Marien-Krankenhauses Siegen hat mit einer aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichung internationale Aufmerksamkeit erlangt. Jetzt erschien in der Fachzeitschrift Surgical Endoscopy eine Studie aus Siegen, die erstmals weltweit in einem randomisierten Studiendesign eine neue Generation beweglicher Operationsinstrumente mit herkömmlichen Instrumenten der minimalinvasiven Chirurgie vergleicht.
Untersucht wurde der Einsatz sogenannter artikulierender Instrumente (ArtiSential®). Diese Instrumente lassen sich ähnlich wie ein menschliches Handgelenk bewegen und ermöglichen Operateuren dadurch mehr Beweglichkeit und Präzision als die bislang üblichen geraden Instrumente. Besonders bei Operationen in engen anatomischen Bereichen – etwa im Becken bei Mastdarmoperationen – könnte dies Vorteile bieten. An der Studie nahmen 78 Patientinnen und Patienten teil, die sich einer minimalinvasiven Operation am linken Dickdarm oder Mastdarm unterzogen. Nach Aufklärung über die Studie und Einwilligung wurden sie zufällig zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe wurde mit herkömmlichen Instrumenten operiert, in der anderen kamen die beweglichen Instrumente zum Einsatz. Randomisierte Studien gelten als Goldstandard der klinischen Forschung, da sie besonders belastbare Ergebnisse liefern.
In der Gesamtgruppe zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei Operationsdauer, Komplikationen oder der Dauer des Krankenhausaufenthalts. Beide Methoden erwiesen sich als vergleichbar sicher und effektiv. Bei den besonders anspruchsvollen Mastdarmoperationen zeigte sich jedoch ein Vorteil der neuen Technologie: Hier musste in der Gruppe mit herkömmlichen Instrumenten deutlich häufiger von der minimalinvasiven Methode auf eine offene Operation oder eine Operation mit abwinkelbaren Instrumenten umgestellt werden, während dies bei den artikulierenden Instrumenten nicht der Fall war.
„Die Studie zeigt, dass diese Instrumente vor allem bei technisch schwierigen Eingriffen eine echte Unterstützung sein können“, erklärt Dr. Ibrahim Darwich, Erstautor der Veröffentlichung und Leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik. „Unser Ziel ist es, minimalinvasive Operationen möglichst oft erfolgreich durchführen zu können, weil sie für die Patientinnen und Patienten in der Regel schonender sind.“ Die Klinik beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren intensiv mit der neuen Technologie und gehört zu den frühen Anwendern in Europa.
Für den Chefarzt und Medizinischen Direktor Prof. Dr. Frank Willeke ist die Veröffentlichung auch ein Beispiel für erfolgreiche Teamarbeit: „Solche Studien entstehen nicht allein im Operationssaal, sondern durch die enge Zusammenarbeit eines engagierten Teams aus Chirurgen, Wissenschaftlern und Partnern in der Forschung. Dass wir als Klinik aus Siegen eine weltweit erste randomisierte Studie zu dieser Technologie vorlegen können, ist ein schönes Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit. Und an dieser Stelle ein großer Dank an unsere Patienten, die zum Wohle des Erkenntnisgewinnes an dieser Studie teilgenommen haben.“

