Individuell verpackte Einzeldosen entlasten das Pflegepersonal und senken das Risiko von Medikationsfehlern – Pilotstart auf der kardiologischen Station
Das St. Marien-Krankenhaus Siegen setzt bei der Arzneimittelversorgung seiner Patientinnen und Patienten künftig auf einen automatisierten Prozess: Seit März 2026 ist im Haus ein Unit-Dose-Automat im Einsatz, der Medikamente patientenindividuell und für den jeweiligen Einnahmezeitpunkt verpackt. Von der elektronischen Verordnung bis zur Verabreichung am Bett ist der Prozess dabei durchgängig digital abgesichert (Closed-Loop-Medication-Management). Erprobt wurde das Verfahren zunächst auf den kardiologischen Stationen, bevor es ab August schrittweise zunächst auf die Gastroenterologie und die weiteren Bereiche ausgeweitet wird. Die Investitionen für die Umstellung liegen im siebenstelligen Bereich.
Grundlage des Systems ist die elektronische Patientenakte, in der die ärztliche Verordnung der Medikation erfolgt, die dann automatisch an die Zentralapotheke übermittelt wird. Ein Apotheker kontrolliert die Medikation hinsichtlich Dosierung, möglichen Wechselwirkungen, Doppelverordnungen und Kontraindikationen. Rückfragen zu einzelnen Anordnungen werden direkt mit der Station geklärt, bevor die Medikation für den Automaten, vom Personal liebevoll Heribert genannt, zur Kommissionierung freigegeben wird. Dabei werden die einzelnen Arzneimittel patientenindividuell und nach Einnahmezeitpunkt getrennt in separate Beutel gepackt. Jeder Beutel ist eindeutig gekennzeichnet – mit Name der Patientin oder des Patienten, Wirkstoff, Dosierung, Einnahmezeitpunkt sowie einem Barcode. Vor dem Versand auf die Station erfolgt eine abschließende digitale Kontrolle der verblisterten Einzeldosen.
Auf der Station erhält das Pflegepersonal die Medikamente damit bereits einnahmefertig und zeitlich sortiert. Unmittelbar vor der Gabe am Patientenbett wird der Patienten-Barcode des Beutels mit dem am Patientenarmband abgeglichen. Erst wenn das System die Übereinstimmung der beiden Codes bestätigt, wird die Gabe dokumentiert und verabreicht. Dieser durchgängige, elektronisch abgesicherte Abgleich – von der Verordnung bis ans Bett – schließt den sogenannten Closed Loop. Das aufwendige manuelle „Stellen“ der Tabletten auf der Station entfällt damit nahezu vollständig.
Patientensicherheit im Fokus
Im Vordergrund steht der Sicherheitsgewinn. „Jeder Schritt von der digitalen Verordnung bis zur Verabreichung ist nachvollziehbar dokumentiert. Die zusätzliche pharmazeutische Kontrolle und die eindeutige Kennzeichnung jeder Einzeldosis reduzieren Verwechslungen und Fehler bei der Medikamentengabe deutlich.“, erläutert Jochen Hähner, Leiter der Zentralapotheke.
Fehlerquellen, die beim händischen Stellen von Medikamenten entstehen können, werden so enorm verringert. Zugleich sorge die durchgängige Dokumentation für eine lückenlose Nachverfolgbarkeit – vom Verordnungszeitpunkt bis zur Verabreichung.
Entlastung im Stationsalltag
Neben der Sicherheit profitiert auch der Arbeitsalltag der Pflegekräfte. Da die Medikamente einnahmefertig auf die Station kommen, entfällt dort die zeitintensive Routineaufgabe. „Unser Team gewinnt spürbar Zeit, die wir wieder direkt für unsere Patientinnen und Patienten einsetzen können. Die Abläufe sind klarer strukturiert, und wir haben weniger Medikamente auf der Station zu bevorraten.“, berichtet Jens Löcherbach, Stationsleitung der kardiologischen Station.
Nach dem Abschluss der Pilotphase wird der Prozess nun auf die weiteren Stationen ausgerollt.


