Von den ersten Wehen bis zur ersten Begegnung mit dem eigenen Kind ist eine Geburt ein besonderer und sehr persönlicher Moment. Wichtig ist deshalb, dass bei der Geburt Raum für die eigenen Wünsche bleibt – ohne die medizinische Sicherheit von Mutter und Kind aus dem Blick zu verlieren. Wie beides in der Praxis zusammenkommt, zeigt die Geburtshilfe am St. Marien-Krankenhaus Siegen.
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Wenn es schnell gehen muss
„Nicht jede Situation lässt sich vorhersehen. Dann kommt es darauf an, dass die richtigen Fachkräfte schnell zur Verfügung stehen und unmittelbar handeln können“, sagt Dr. med. Badrig Melekian, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.
Dafür ist das Team umfassend aufgestellt: In jeder Schicht sind zwei Hebammen vor Ort, zusätzlich steht eine weitere Hebamme in Rufbereitschaft zur Verfügung. Unterstützt werden sie unter anderem durch Hebammenstudentinnen der Universitätskliniken Köln und Bonn. Ärztinnen und Ärzte sowie das Anästhesieteam sind ebenfalls jederzeit vor Ort, sodass bei medizinischen Fragen oder einem Notfall unmittelbar gehandelt werden kann.
Die räumliche und technische Ausstattung ist auf unterschiedliche Situationen vorbereitet. Eine besondere Rolle spielt der moderne Notfall-OP direkt im Kreißsaal. Muss beispielsweise kurzfristig ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, kann die Patientin unmittelbar vor Ort operiert werden.
Für die Versorgung des Neugeborenen besteht eine enge Zusammenarbeit mit der DRK-Kinderklinik Siegen. Durch die räumliche Nähe kann bei medizinischem Bedarf kurzfristig eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt hinzugezogen werden. Gerade in Notfallsituationen ist die kinderärztliche Unterstützung dadurch schnell vor Ort.
Bewegung und Mitbestimmung
Neben der medizinischen Sicherheit bleibt Raum für die individuelle Gestaltung der Geburt. Dazu gehört die Möglichkeit, verschiedene Geburtspositionen einzunehmen. In der Geburtshilfe am St. Marien-Krankenhaus wird insbesondere die aufrechte Geburtshaltung unterstützt. Die Frauenklinik verfügt auf diesem Gebiet über besondere Expertise und war als eine von sechs Kliniken bundesweit an der vom Bundesgesundheitsministerium geförderten „Be-up“-Studie beteiligt.
Drei der vier Kreißsäle verfügen über eine eigene Dusche und ein WC. Eine Wassergeburt ist in einer Gebärwanne möglich, die so in den Kreißsaal integriert ist, dass die Patientin diskret zwischen Geburtsbett und Gebärwanne wechseln kann.
Bewegung ist während der Geburt ausdrücklich möglich: Ob im Stehen, Sitzen, Hocken oder in einer anderen Haltung – gemeinsam mit dem betreuenden Team lässt sich herausfinden, welche Position in der jeweiligen Situation passend ist. Ein kabelloses CTG ermöglicht dabei, die kindlichen Herztöne während der Bewegung kontinuierlich zu überwachen. Bei medizinischen Entscheidungen werden die werdenden Eltern einbezogen. Sie können jederzeit nachfragen, warum ein bestimmtes Vorgehen vorgeschlagen wird, und welche Alternativen bestehen. Die jeweiligen Möglichkeiten werden erklärt und gemeinsam besprochen. Nur in einem echten Notfall muss das unmittelbare Handeln Vorrang haben.
Nicht jede Geburt verläuft ohne medizinische Eingriffe. Die Kaiserschnittrate am St. Marien-Krankenhaus liegt bei gut 20 Prozent. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen lag der Anteil der Kaiserschnittgeburten 2024 bei 34,0 Prozent. Wie diese Zahlen einzuordnen sind, hängt unter anderem davon ab, welche Schwangerschaften mit besonderen medizinischen Risiken eine Klinik betreut. „Ein Kaiserschnitt kann bei Komplikationen eine lebensrettende Maßnahme für Mutter und Kind sein“, betont Dr. Melekian. Entscheidend sei, dass der Eingriff medizinisch begründet ist und nicht leichtfertig durchgeführt wird, wenn eine natürliche Geburt sicher möglich ist.
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Die ersten Tage nach der Geburt
Mit der Geburt endet die medizinische Betreuung nicht. Gerade die ersten Tage danach sind wichtig, um mögliche Veränderungen bei Mutter und Kind frühzeitig zu erkennen. Bei der Mutter wird unter anderem auf Blutungen, Fieber, die Wundheilung, Blutdruckveränderungen und Schwellungen an den Beinen geachtet. Ungewöhnlich starke Blutungen, plötzliche Kopfschmerzen oder Sehstörungen, Atemnot oder einseitige Wadenschmerzen sollten sofort angesprochen werden.
Beim Neugeborenen stehen Trinkverhalten, Gewichtsentwicklung, Temperatur und Atmung sowie mögliche Anzeichen einer Neugeborenengelbsucht im Blick. Hinzu kommen die vorgesehenen Untersuchungen und Screenings wie U1 und U2, das Hörscreening, das erweiterte Neugeborenenscreening und die Messung der Sauerstoffsättigung.
Wenn keine medizinischen Gründe dagegensprechen, bleiben Mutter und Kind nach der Geburt zusammen. Beim sogenannten Rooming-in bleibt das Neugeborene Tag und Nacht bei der Mutter im Zimmer. Das fördert das Stillen und die gegenseitige Bindung.
Anfang September steht im St. Marien-Krankenhaus die Zertifizierung als „Babyfreundliche Klinik“ an. Das Qualitätssiegel steht für ein besonders intensives Betreuungskonzept, das die frühe Bindung zwischen Eltern und Kind sowie die Unterstützung beim Stillen in den Mittelpunkt stellt. Alle Untersuchungen und Therapien erfolgen ohne Trennung von Mutter und Kind.
Sofern medizinisch nichts dagegenspricht und die Nachsorge durch Hebamme, Frauenarzt und Kinderarzt gesichert ist, kann die Familie in geeigneten Fällen bereits wenige Stunden nach der Geburt nach Hause gehen.
Schon vor der Geburt
Bereits vor der Geburt können sich werdende Eltern in der Hebammensprechstunde zur Geburt anmelden. Die Vorstellung ist etwa ab der 36. Schwangerschaftswoche vorgesehen; ein Termin sollte möglichst frühzeitig, idealerweise zwischen der 30. und 32. Schwangerschaftswoche, vereinbart werden. Dabei werden der bisherige Schwangerschaftsverlauf und wichtige medizinische Informationen besprochen sowie Fragen und Wünsche rund um die Geburt geklärt.
Bei besonderen medizinischen Fragestellungen bietet das St. Marien-Krankenhaus eine ärztliche Geburtsplanung an. Die Vorstellung erfolgt nach Überweisung durch die behandelnde Frauenärztin oder den behandelnden Frauenarzt.
Sicherheit im Stationsalltag
Auf der durch eine geschlossene Sicherheitstür gesicherten Wochenstation gibt es klare Abläufe. Zur Sicherheit im Stationsalltag gehört, dass die Namensbändchen von Mutter und Kind gut lesbar sind. Eine Übersicht informiert über die Namen der jeweils diensthabenden Mitarbeitenden.
Wer ein Zimmer betritt, um Mutter oder Kind zu untersuchen oder zu versorgen, stellt sich vor und nennt seine Aufgabe. Ein sichtbarer Mitarbeiterausweis mit Foto macht zusätzlich kenntlich, wer sich um Mutter oder Kind kümmert.

