Übelkeit, Mundtrockenheit, Durst oder ein unangenehmer Geschmack im Mund: Viele Patientinnen und Patienten kennen diese Beschwerden nach einer Narkose. In der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin des St. Marien-Krankenhauses setzt das Team deshalb auf ein ebenso einfaches wie wirksames Mittel – ein Wassereis. Was zunächst überrascht, ist wissenschaftlich fundiert und hat sich im Klinikalltag bereits bewährt.
Dass ein Wassereis mehr kann, als kurz zu erfrischen, zeigt eine im British Journal of Anaesthesia veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2017. Bei Patientinnen und Patienten nach elektiven orthopädischen Eingriffen wurde eine geringere Häufigkeit von postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV) festgestellt. Zugleich sank der Bedarf an Antiemetika – also Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen. Die Betroffenen litten seltener unter Durst und Mundtrockenheit und waren insgesamt zufriedener mit ihrer Versorgung.
Warum Wassereis wirkt
Für die positiven Effekte gibt es mehrere Erklärungen. Beim Lutschen sorgt die Kälte für einen Reiz auf wichtige Nerven im Mund- und Rachenraum. Das dämpft das Übelkeitsgefühl und den Brechreiz. Die langsame Flüssigkeitsaufnahme lindert zudem Durst und Mundtrockenheit. Und nicht zuletzt steigert das angenehme Kältegefühl das allgemeine Wohlbefinden.
Positive Erfahrungen im Klinikalltag
Auch die bisherigen Erfahrungen des Anästhesie-Teams sind durchweg positiv. Nach subjektiver Einschätzung des Teams zeigen sich eine hohe Patientenzufriedenheit, deutlich weniger oder gar keine Übelkeit sowie eine spürbare Reduktion von Durstgefühl und Halsbeschwerden. Für die sichere Anwendung sorgt eine klare Handlungsanweisung (Standard Operating Procedure, SOP), die die Vergabe des Wassereises verbindlich regelt.
Eine Idee, die zum Gemeinschaftsprojekt wurde
Die Einführung des Wassereises geht auf die Initiative von Dr. Sabine Zimmermann zurück. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Jonathan Howe entwickelte sie das Konzept weiter – Howe befasste sich im Rahmen seiner Fachweiterbildung zusätzlich intensiv mit dem Thema. Gemeinsam trieben beide die Umsetzung in der Abteilung maßgeblich voran.
„Manchmal sind es die einfachen Dinge, die für unsere Patientinnen und Patienten den größten Unterschied machen. Ein Wassereis ist unkompliziert, kostengünstig und wird ausgesprochen gut angenommen“, erklären beide unisono.
Das Foto zeigt Jonathan Howe (links) mit Patientin Cilly Bausch und Dr. Sabine Zimmermann.

