{"id":1648,"date":"2025-11-24T12:03:31","date_gmt":"2025-11-24T11:03:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.marien-kliniken.de\/blogs\/prostata\/?p=1648"},"modified":"2026-02-26T20:25:13","modified_gmt":"2026-02-26T19:25:13","slug":"die-hormon-entzugstherapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marien-kliniken.de\/blogs\/prostata\/die-hormon-entzugstherapie\/","title":{"rendered":"Die Hormon-Entzugstherapie"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Mit j\u00e4hrlich etwa 65.000 Neuerkrankungen ist das Prostatakarzinom (PCa) derzeit die h\u00e4ufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei ungef\u00e4hr 69 Jahren. Prostatakrebs w\u00e4chst oft langsam und ist, besonders wenn er im Fr\u00fchstadium entdeckt wird, gut behandelbar. Allein schon aus diesem Grunde ist die Vorsorge sehr wichtig (siehe auch die Artikel &#8222;<em>Vorsorge<\/em>&#8220; und \u201e<em>PSA-Bluttest<\/em>\u201c auf dieser Internetseite).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Eine der vielen Behandlungsmethoden ist die Hormon-Entzugstherapie. Sie wird auch \u201eAnti-Hormontherapie\u201c oder \u201eHormonblockade\u201c genannt und kommt normalerweise zum Einsatz, wenn der Prostatakrebs fortgeschritten oder metastasiert ist, also schon Tochtergeschw\u00fclste gebildet hat. Auch im Rahmen einer Strahlentherapie kann diese Behandlung sinnvoll sein. Sie hat immer das Ziel, das Tumorwachstum zu bremsen bzw. den Tumor zu verkleinern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Der Prostatakrebs ben\u00f6tigt f\u00fcr sein Wachstum das m\u00e4nnliche Hormon Testosteron. Die klassische Hormon-Entzugstherapie (Androgendeprivationstherapie = ADT) mit den sogenannten LHRH-Analoga (Wirkstoffe: Buserelin, Goserelin, Leuprorelin, Triptorelin u.a.) oder LHRH-Antagonisten (Wirkstoffe: Abarelix, Degarelix u.a.) hemmt die Hormon-Produktion im K\u00f6rper des Mannes und verlangsamt dadurch das Krebswachstum f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum (individuell sehr unterschiedlich, meist f\u00fcr viele Monate bis mehrere Jahre).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Meistens wird diese Behandlung dauerhaft durchgef\u00fchrt. Es gibt aber auch die Methode, dass man zwischendurch eine Medikamentenpause einlegt (\u201eintermittierende Hormonblockade\u201c). Wenn der PSA-Wert sehr deutlich abgefallen ist, folgen nach mehrmonatigen Behandlungen dann therapiefreie Phasen. In dieser Zeit erholt sich i.d.R. der Hormonspiegel des Mannes, wodurch die Nebenwirkungen deutlich gelindert werden k\u00f6nnen und die Lebensqualit\u00e4t wieder steigen kann. Wenn der PSA-Wert dann wieder ansteigt, setzt die medikament\u00f6se Behandlung erneut ein. Ob man sich f\u00fcr die dauerhafte oder die intermittierende Hormonblockade entscheidet, sollte unbedingt mit dem Facharzt des Vertrauens abgestimmt werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Neben den o.a. Testosteron-Blockern gibt es auch noch die sogenannten Antiandrogene. Im Gegensatz zum Hormonentzug unterbinden sie die Testosteronproduktion nicht, sondern blockieren die Wirkung des Testosterons an den Prostatakrebszellen. Deshalb nennt man sie auch \u201eAndrogenrezeptor-Blocker\u201c. Die Wirkstoffe der h\u00e4ufig eingesetzten Antiandrogene der ersten Generation sind Bicalutamid, Flutamid und Nilutamid. Die Wirkstoffe der am h\u00e4ufigsten eingesetzten neueren Antiandrogene der zweiten Generation sind Enzalutamid, Apalutamid und Darolutamid. Diese haben zus\u00e4tzlich noch einen weiteren wachstumsblockierenden Wirkungsmechanismus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Die klassische Hormon-Entzugstherapie geht solange gut, bis die schlauen Krebszellen nicht mehr auf die verabreichten Medikamente reagieren (sozusagen unempfindlich werden) und dann das Krebswachstum fortschreitet. Der Prostatakrebs war vorher \u201ehormonsensitiv\u201c, jetzt ist er \u201ekastrationsresistent\u201c geworden. Die Medizin ist aber mittlerweile so weit, dass in dieser Phase zus\u00e4tzlich neuere antihormonelle Wirkstoffe wie z.B. Olaparib (Medikament: &#8222;Lynparza&#8220;<\/strong>)<strong>, Ab\u00edrateron (Medikament:  &#8222;Zytiga&#8220;) , Apalutamid (Medikament: &#8222;Erleada&#8220;<\/strong>)<strong>, Darolutamid (Medikament: &#8222;Nubeqa&#8220;), Enzalutamid (Medikament: &#8222;Xtandi&#8220;) zum Einsatz kommen. Durch ihren neuen Wirkstoffmechanismus k\u00f6nnen sie das Fortschreiten der Erkrankung verz\u00f6gern und diese effektiv zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Auf diese Weise hat sich die Behandlung des kastrationsresistenten (man sagt auch &#8222;kastrationsrefrakt\u00e4ren&#8220;) Prostatakarzinoms grundlegend verbessert. Gerade in dieser Richtung werden wir aber in den n\u00e4chsten Jahren sicherlich noch viele weitere interessante Entwicklungen sehen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Da Hormone \u00fcber komplizierte Zusammenh\u00e4nge viele verschiedene Vorg\u00e4nge im menschlichen K\u00f6rper steuern, kann ein Eingriff in den Hormonhaushalt vielf\u00e4ltige Auswirkungen haben. Nebenwirkungen der Hormon-Entzugstherapie k\u00f6nnen, m\u00fcssen aber nicht auftreten. Typisch sind z.B. Hitzewallungen, Schwitzen, Erektionsst\u00f6rungen bzw. Impotenz, Verlust des sexuellen Interesses (Libidoverlust), \u00dcbelkeit, Depressionen, M\u00fcdigkeit (Fatigue), Gewichtszunahme, Schlafst\u00f6rungen, erh\u00f6hte Blutfett- und Blutzuckerwerte, erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskelreduzierung, Nachlassen der Denkleistung, Zunahme des K\u00f6rperfettanteils, Verkleinerung der Hoden und des Penis, Brustschmerzen und Brustvergr\u00f6\u00dferung (Gyn\u00e4komastie), Gefahr von Osteoporose und Knochenbr\u00fcchen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>M\u00e4nner, die sich einer Hormonentzugstherapie unterziehen, sollten k\u00f6rperlich und geistig aktiv sein und m\u00f6glichst viel Sport an frischer Luft treiben. So kann man die Nebenwirkungen reduzieren und die Lebensqualit\u00e4t verbessern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Die Therapie-Entscheidung trifft grunds\u00e4tzlich immer der Patient. Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die<\/strong> <strong>Hormon-Entzugstherapie Allerdings ist es \u00e4u\u00dferst wichtig und sinnvoll<\/strong><strong>, sich durch den Facharzt seines Vertrauens intensiv beraten zu lassen. Als Fachmann kennt er<\/strong> die <strong>individuelle Situation seines Patienten, die bei jeder Behandlung zu ber\u00fccksichtigen ist. Wir empfehlen, dem Arzt seine eigenen W\u00fcnsche und Vorstellungen mitzuteilen und sich \u00fcber Vor- und Nachteile aller Therapiem\u00f6glichkeiten genauestens zu informieren. Erst wenn man alles ganz genau verstanden und sich alles gut \u00fcberlegt hat, sollte man sich gemeinsam mit dem begleitenden Arzt entscheiden, wie es weiter gehen soll. Wenn man Zweifel hat, raten wir auch dazu, sich eine Zweitmeinung bei einem anderen Facharzt einzuholen. Um seine Meinung zu festigen und sich umfassend zu informieren, kann sicherlich auch eine Selbsthilfegruppe sehr hilfreich sein, da man sich dort auch mit M\u00e4nnern austauschen kann, die selbst von dieser Krankheit betroffen sind. Au\u00dferdem kommen immer wieder Fachleute in die Gruppe, die informieren und Fragen beantworten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Grunds\u00e4tzlich gilt f\u00fcr alle Phasen des Prostatakarzinoms (Vorsorge, Fr\u00fcherkennung, Diagnostik, Behandlung, Reha und Nachsorge) die sogenannte S3-Leitlinie. Sie ist ein wichtiger und zentraler Leitfaden f\u00fcr die \u00c4rzte und wird auf medizinisch-wissenschaftlicher Basis st\u00e4ndig weiterentwickelt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit j\u00e4hrlich etwa 65.000 Neuerkrankungen ist das Prostatakarzinom (PCa) derzeit die h\u00e4ufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei ungef\u00e4hr 69 Jahren. Prostatakrebs w\u00e4chst oft langsam und ist, besonders wenn er im Fr\u00fchstadium entdeckt wird, gut behandelbar. 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